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Arbeitsalltag

26. Mai 2010

Damit man eine Vorstellung bekommt, wie mein Arbeitsalltag so aussieht, hier mal ein kurzer Abriss. Heute zum Beispiel hab ich vormittags erst Englisch- und dann Spanischnachhilfe gegeben. Meine Nachhilfeschüler schreiben nämlich diese Woche eine Klausur. Danach war der Arbeitsblog dran. Der dafür notwendige Informationsfluß ist leider immernoch ziemlich stockend, aber im Moment bin ich schon froh, wenn wir  einen Beitrag die Woche (!!) schaffen. Den Rest des Tages war ich dann in der Vorschulklasse, bei der ich auch immer Mittagsschlaf mache. Nachmittags kam für eine Stunde noch eine weitere Klasse dazu, diesmal war das aber recht entspannt, weil aufgrund des schlechten Wetters fast die Hälfte der Kinder gefehlt hat. Zwischendurch bin ich als Toilettendienst in der Krippe eingesprungen. Der Abschluss des Tages waren dann Schreibübungen mit den 5 Jährigen. Es ist schwer zu beschreiben, was für ein Erfolgserlebnis ein korrekt gschriebenes „J“ sein kann.

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Projektbilder

24. Mai 2010

Vorbereitungen für eine Werbespot als Spendenaufruf (der Dreh selbst war auch eine „Spende“).

Kurz vor dem Tanzauftritt zum Muttertag

Clowns

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Körperpflege

24. Mai 2010

Reinlichkeit ist defintiv eine brasilianische Tugend und wahrscheinlich auch ein Volkssport. Schon Kinder benutzen hier Zahnseide und es ist völlig normal, das die öffentlichen Toiletten nach den Mahlzeiten mit zahnputzenden Kollegen oder Verkäuferinnen belegt werden. Neben der ausgiebigen Dusche (bei meiner kleinen Gastschwester kann diese gern mal bis zu einer halben Stunde dauern) werden die unzähligen Pflegeprodukte, wie Creme für die Haare zum besseren Kämmen oder Fußpuder ausgiebig celebriert.

Erstaunlich ist aber vor allem, wie öffentlich dieses Thema ist. Angefangen bei Pflegetipps im Bus bis hin zu den Gesprächen über die beste Enthaarungsmethode zwischen meinen Pilates-Kolleginnen und dem Lehrer.

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Muttertag

10. Mai 2010

Muttertag in Brasilien ist das Paradies für jeden Shoppingfreund (also nicht für mich). Vor allem dem Einzelhandel scheint auffällig viel daran gelegen, dass niemand diesen besonderen Tag vergißt. Um ganz sicher zu gehen, zelebriert man hier vielerorts gleich den „Monat der Mutter“. Aus gegebenem Anlaß gibt es dann das neue Haus zu besonderen Konditionen, besonders günstige Angebote für den Neuwagen und wenn Mama mit der Kreditkarte zahlt, entfällt ein Teil der Kosten und sie nimmt automatisch an Verlosungen teil. Um das Ganze optisch zu unterstreichen, wird man von Herzen, der Farbe rosa und Pailletten fast erschlagen.

Zum Muttertag in Deutschland sagt wikipedia unter anderen:

„Der Muttertag ist nicht gesetzlich verankert, vielmehr basiert dessen Datum auf Übereinkünften von Wirtschaftsverbänden. Die Floristenverbände haben den zweiten Sonntag im Mai als Muttertag festgelegt, … .“

Also auch nicht viel besser …

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Finanzen

9. Mai 2010

„Kommst du Dir reich vor?“ wurde ich im September gefragt. Vor neun Monaten sah meine Antwort wie folgt aus:

Hier im Moment nicht. Ich bekomme 100 Euro im Monat und muss echt schauen, wie ich damit über die Runden komme. Eine Busfahrkarte kostet 0,90 Cent (allein zum Sprachkurs fahr ich 4 mal Bus), eine Sonnenmilch Faktor 50 fast 30 Euro.
Weggehen geht nur gelegentlich, der Eintritt liegt im Schnitt bei 6 Euro plus Getränke und Taxi für den Heimweg. Das liegt relativ schnell über meinem Tagessatz von 3,33 Euro. Aktuell wohne ich vom Komfort mindestens genauso gut wie in Berlin. Ich habe ein eigenes Zimmer, es gibt Internet, Fernsehen, Mikrowelle. Reich fühle ich mich nur im Hinblick auf die Reisen, die ich gemacht habe, das löst hier immer Erstauen aus und wird (vermute ich) auch schnell mit viel Geld in Verbindung gebracht.

Mittlerweile hat sich meine Meinung ein wenig geändert. Je nachdem ob ich am Wochenende weggehe oder eine größere Anschaffung tätige, komme ich mit 5 bis 25 Euro die Woche aus.  Durch die Gastfamilie habe ich einen guten Lebensstandard und muss mich weder um Essen noch Internet oder Ähnliches kümmern. Die Fahrtkosten von und zur Arbeit werden monatlich mit ca. 20 Euro von der Empfängerorganisation übernommen. Alles in allem also genug Geld. Ich kann mir weitaus mehr leisten, als die Familien der Kinder mit denen ich zusammen arbeite. Allein auf meiner Reise im Januar habe ich mehr von Brasilien gesehen als viele Brasilianer. Einfach weil Reisen in Brasilien ziemlich teuer ist. Einziger Wehrmutstropfen: Durch den geringeren Eurokurs  habe ich im Monat ca. 11 Euro weniger. Eine Busfahrkarte kostet jetzt 1,07 Euro.

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Auto-Kuriositäten

8. Mai 2010

1. Unter einer Autobrücke steht mitten zwischen zwei Hauptverkehrsstrassen ein Churrasco-Wagen (so eine Art Imbiss für alle möglichen Arten gegrilltes Fleisch). Das an sich ist ja noch nicht ungewöhnlich. Heute wurde dem ganzen Athmosphäre verliehen mit Klavierspiel und einem Tenor, beides live. Das Klavier wurde dafür auf einem Wagen angekarrt.

2. Der Imbiss wird nachts zur Garage. Sobald die letzten Gäste raus sind, werden die Stühle zur Seite geräumt und wo vorher noch die Kunden ihr Bier genossen haben, parkt jetzt das Auto.

3. Seit etwa dreissig Jahren steht in meinem Viertel ein gelber Käfer (auf portugiesisch fusca). Einmal im Monat wird er noch gefahren (laut meiner Gastfamilie). In Bewegung habe ich ihn noch nie gesehen, sondern nur wie die Besitzerin das Schloss geölt hat, um die Tür zu öffnen. Dafür findet man ihn auch über google maps an der gleichen Stellen, an der ich täglich an ihm vorbei gehe.

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Religion

2. Mai 2010

So unterschiedlich die Menschen und Regionen in Brasilien sind, so verschieden sind auch die Religionen. Erstaunlicherweise existieren diese völlig friedlich nebeneinander. In meiner Gastfamilie beispielsweise sind die Kinder auf einer katholischen Schule, die Mutter ist Spiritistin und der Vater Atheist. Zahlreiche Immigranten und Sklaven haben ihren Glauben vor einigen Jahrhunderten mitgebracht und vieles hat sich inzwischen miteinander vermischt.

Gestern hatte mich eine Kollegin eingeladen an einer Umbanda Sitzung teilzunehmen. Umbanda ist eine Mischung diverser Religionen (laut Wikipedia unter anderem aus dem Volkskatholizismus, der jüdischen Kabbala und der universalen Esoterik). Es hat seinen Ursprung aber in Afrika und ist stark von Sklaventum geprägt.

Bisher haben sich meine religiösen Erfahrungen in Brasilien auf ein paar Kirchenbesuche und Gespräche beschränkt. Dementsprechend befremdlich war die ganze Zeremonie für mich. Die sogenannten Medien sind dabei komplett in weiß gekleidet, tragen bunte Ketten, stehen im Halbkreis mit Blick auf den Altar (auf dem neben Jesus auch der heilige Georg steht) und beten eine Art Sprechgesang. Dem gegenüber befindet sich das „Publikum“, welches jederzeit einsteigen kann. Nachdem alle rituell mit Weihrauch gereinigt wurden, beginnen monotone Gesänge zu Trommelrythmen und nach und nach tanzen und drehen sich die Anwesenden in Trance. Wenn die Geister dann Besitz von ihnen ergriffen haben, setzen sich die Medien gestützt von anderen Teilnehmern, es wird eine Kerze vor sie gestellt und die Anwesenden können sich bei ihnen Rat holen (consulto) oder von negativen Energien (paz) befreien lassen.

Das ganze kann im ersten Moment schon ein wenig abschrecken. Man muss sich vorstellen, dass es in dem kleinen Raum einfach unglaublich warm ist, aufgrund der ganzen Räucherungen kaum frische Luft gibt und man über recht lange Zeit die Sprechgesänge und Trommeln hört(so eine Zeremonie geht fast 3 Stunden). Die in Trance gefallenen Menschen bekommen teilweise spastische Zuckungen undverziehen die Gesichter zu Grimassen. Die ganze Zeit über hatte ich das Gefühl das unglaublich viele Dinge gleichzeitig passieren.

Positiv aufgefallen ist mir, dass es keinerlei negativen Formulierungen gab. Es wurde nur von erstrebenswerten oder guten Dingen gesprochen, nie von Strafe oder Sünden. Während der Trance wurden die „Medien“ von anderen Teilnehmern gestützt und betreut. Jeder konnte wann er wollte an der Zeremonie teilnehmen, es gab keine große Trennung und auch niemanden der sich im Sinne einer Hierarchie von den anderen abhob.  Wer einen optischen Eindruck bekommen möchte, kann einfach mal bei youtube schauen. Dort gibt es diverse Videos.

Soweit mein persönlicher Eindruck. Fotografiert habe ich nicht, da ich nicht wirklich das Gefühl hatte, als Fremder willkommen zu sein. Deshalb nur ein Bild aus dem Netz.

(Quelle: http://engenhocultural.wordpress.com/2009/07/11/jaboatao-mapeia-terreiros)